Die Europäische Zentralbank arbeitet an einer neuen Generation von Eurobanknoten. Zehn Entwürfe stehen zur Auswahl – und die Öffentlichkeit kann noch bis zum 21. September 2026 darüber abstimmen. Im Europapodcast sprechen wir mit Doris Schneeberger, Direktorin Banknoten bei der EZB, über die Gestaltung, die Sicherheit und die Zukunft des Bargelds.

Ein Euro-Schein ist vermutlich eines der alltäglichsten europäischen Symbole überhaupt. Millionen Menschen haben ihn jeden Tag in der Hand – beim Bäcker, im Supermarkt, im Café oder unterwegs. Seit 2002 sehen die Eurobanknoten dabei im Wesentlichen gleich aus.

Das soll sich ändern.

Die Europäische Zentralbank arbeitet derzeit an einer neuen Generation von Eurobanknoten. Zehn Entwürfe sind inzwischen in der engeren Auswahl. Sie orientieren sich an zwei Themen, die in einer europaweiten Befragung besonders viel Zustimmung bekommen haben: europäische Kultur sowie Flüsse und Vögel.

Im Europa-Podcast haben wir die EZB in Frankfurt besucht und mit Doris Schneeberger, Direktorin Banknoten bei der Europäischen Zentralbank, darüber gesprochen, wie man eigentlich Geld für einen ganzen Kontinent gestaltet.

Mehr als ein neues Design

Dass die Eurobanknoten neu gestaltet werden, hat nicht nur ästhetische Gründe. Ein zentraler Aspekt ist die Sicherheit.

„Wir müssen regelmäßig daran arbeiten, dass wir neue Sicherheitsmerkmale integrieren, einfach um den Fälschern einen Schritt voraus zu sein“, erklärt Schneeberger im Gespräch.

Die neuen Banknoten sollen aber auch eine stärkere Verbindung zu Europa herstellen. Die heutigen Motive – Fenster, Türen und Brücken – stehen für Offenheit und Verbundenheit Europas. Allerdings zeigte sich in Fokusgruppen, dass diese Symbolik vielen Menschen nicht unmittelbar verständlich ist.

Die EZB wollte deshalb wissen: Was wünschen sich die Menschen eigentlich auf ihren Geldscheinen?

Mehr als 360.000 Menschen beteiligten sich an einer öffentlichen Befragung. Zusätzlich wurde eine repräsentative Umfrage durchgeführt. Aus sieben möglichen Themen kristallisierten sich schließlich zwei Favoriten heraus: europäische Kultur sowie Natur mit Flüssen und Vögeln.

Europa auf sechs Banknoten

Die neuen Motive sollen nicht einzelne Mitgliedstaaten repräsentieren, sondern Europa als Ganzes.

Bei der kulturellen Variante finden sich deshalb sechs Persönlichkeiten – drei Frauen und drei Männer –, die bewusst nicht ausschließlich mit einem einzigen Land verbunden sind. Ein Beispiel ist die Opernsängerin Maria Callas, die in den USA geboren wurde, griechische Staatsbürgerin war und später auch die italienische Staatsbürgerschaft besaß und in verschiedenen europäischen Ländern lebte.

Auf den Rückseiten werden unterschiedliche Orte dargestellt, an denen Kultur im Alltag stattfindet: etwa Schulen, Bibliotheken oder öffentliche Räume.

Bei der Variante „Flüsse und Vögel“ geht die Gestaltung einen anderen Weg. Die Geschichte beginnt an der Quelle und folgt dem Fluss bis zu seiner Mündung. Die dazugehörigen Landschaften und Vögel sollen die Vielfalt Europas zeigen – und zugleich daran erinnern, dass Natur keine politischen Grenzen kennt.

Wie entsteht eigentlich ein Geldschein?

Der Weg von der Idee bis zur fertigen Banknote ist lang.

Mehr als 1.200 Grafikdesignerinnen und Grafikdesigner bewarben sich für den Gestaltungsprozess. Daraus wurden 25 ausgewählt, die auf Grundlage eines detaillierten Design-Briefings der EZB insgesamt 39 Vorschläge entwickelten.

Eine Expertenjury bewertete die Entwürfe anschließend anonym. Erst nachdem die zehn besten Designs ausgewählt waren, wurde bekannt, welche Designerinnen und Designer hinter den Vorschlägen stehen.

Denn ein Geldschein muss weit mehr können, als gut auszusehen.

Er muss fälschungssicher sein, von Maschinen zuverlässig erkannt werden, sich deutlich von anderen Denominationen unterscheiden und auch für blinde und sehbehinderte Menschen ertastbar sein. Gleichzeitig müssen die Banknoten in unterschiedlichen Druckereien des Eurosystems mit identischen technischen Spezifikationen hergestellt werden können.

Die zehn ausgewählten Entwürfe werden deshalb jetzt einer umfangreichen technischen Prüfung unterzogen. Dabei kann es noch Veränderungen geben.

Bargeld bleibt Teil Europas

Der Neustart beim Banknotendesign kommt zu einer Zeit, in der immer häufiger digital bezahlt wird. Karte, Smartphone und Onlinehandel verändern unser Zahlungsverhalten.

Das bedeutet nach Einschätzung der EZB allerdings nicht, dass Bargeld verschwindet. Noch immer wird ungefähr die Hälfte aller Transaktionen an physischen Verkaufsstellen mit Bargeld bezahlt. Gleichzeitig befinden sich rund 31 bis 32 Milliarden Eurobanknoten im Umlauf. Besonders deutlich wird die Bedeutung des Bargelds in Krisenzeiten. Bei der Corona-Pandemie, nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und beim Blackout auf der Iberischen Halbinsel stieg die Bargeldnachfrage jeweils deutlich.

Auch der geplante digitale Euro soll daran nichts ändern. Er soll das Bargeld ergänzen – nicht ersetzen!

Was soll Europa auf seinem Geld zeigen?

Am Ende geht es bei der Neugestaltung um mehr als Papier, Farbe und Sicherheitsmerkmale. Ein Geldschein ist ein europäisches Alltagsobjekt, das Grenzen überschreitet und von Menschen im gesamten Euroraum verwendet wird.

Für Schneeberger liegt darin auch eine Chance für europäische Identität. Eine Generation ist inzwischen mit dem Euro aufgewachsen und kennt keine andere gemeinsame Währung.

Die neuen Banknoten könnten deshalb eine ganz einfache Botschaft vermitteln: Europa steht für Offenheit, Miteinander und Frieden.

Welche Geschichte die neuen Scheine tatsächlich erzählen werden, entscheidet ihr! Noch bis zum 21. September kann die Öffentlichkeit darüber abstimmen.

Jetzt mitmachen

Zur öffentlichen Befragung der EZB

Die zehn Entwürfe sowie weiteres Bild- und Videomaterial zum Auswahlprozess gibt es im Multimediaportal der EZB:

Neue Eurobanknoten – EZB-Multimediaportal

Welcher Entwurf gefällt euch am besten? Und was sollte Europa auf seinen Geldscheinen zeigen?

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