Demokratie gerät nicht erst dann in Gefahr, wenn Parlamente geschlossen, Parteien verboten oder Journalistinnen und Journalisten verhaftet werden. Moderne autoritäre Politik arbeitet häufig leiser, strategischer und institutioneller. Sie verändert Regeln, schwächt unabhängige Institutionen, setzt politische Gegner unter Druck, verschiebt Medienlandschaften und sorgt dafür, dass Opposition teurer, riskanter und weniger wirksam wird.

In dieser Ausgabe von Talking Europe bringt der Europapodcast eine Aufzeichnung der Veranstaltung â€žDemocracy in Danger: An Evening with Daniel Ziblatt“, die am 6. Mai 2026 in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin stattfand. Die Veranstaltung war Teil der Reihe â€žWriting Democracy: Stories, Ideas, and Arguments On and Off the Page“, einer Kooperation von Bard College Berlin und der Heinrich-Böll-Stiftung.

Daniel Ziblatt über demokratische Erosion und competitive authoritarianism

Daniel Ziblatt, Eaton Professor of Government an der Harvard University und Direktor des Minda de Gunzburg Center for European Studies, zählt zu den international wichtigsten Stimmen der Demokratieforschung. Gemeinsam mit Steven Levitsky veröffentlichte er die Bücher â€žHow Democracies Die“ und â€žTyranny of the Minority“. Beide Werke gelten als zentrale Referenzen in der Debatte über demokratische Erosion, autoritäre Parteien und die Verwundbarkeit liberaler Demokratien.

Im Gespräch mit dem Journalisten Joshua Yaffa analysiert Ziblatt die Lage der amerikanischen Demokratie unter Donald Trump. Im Zentrum steht die These, dass die USA nicht einfach vor einer klassischen Diktatur stehen. Vielmehr beschreibt Ziblatt Dynamiken, die an competitive authoritarianism erinnern: ein politisches System, in dem Opposition formal weiterhin möglich bleibt, das politische Spielfeld aber zunehmend zugunsten der Regierung verschoben wird.

Donald Trump, MAGA und die Krise demokratischer Institutionen

Die Diskussion nimmt zentrale Entwicklungen in den Vereinigten Staaten in den Blick: Angriffe auf politische Gegner, die Instrumentalisierung staatlicher Behörden, Druck auf Medien und Universitäten, Gerrymandering, die Rolle des Supreme Court und die Frage, ob Wahlen allein ausreichen, um Politik demokratisch zu legitimieren.

Ziblatt betont, dass Demokratie nicht nur bedeutet, Wahlen zu gewinnen. Demokratie verlangt auch, dass Regierende nach der Wahl demokratische Regeln, Rechte, Institutionen und Normen respektieren. Genau dort zeigt sich, ob eine Demokratie widerstandsfähig bleibt oder schrittweise in ein autoritär geprägtes System abrutscht.

AfD, CDU und die Verantwortung etablierter Parteien

Ein weiterer Schwerpunkt der Folge liegt auf der Frage, wie demokratische Parteien auf autoritäre Herausforderer reagieren sollten. Darf man mit radikalen rechten Parteien kooperieren, um sie einzubinden? Oder normalisiert man dadurch ihre Sprache, ihre Strategien und ihre politische Stellung?

Ziblatt verweist dabei auch auf Deutschland, die AfD, die Rolle der CDU und die besondere Verantwortung etablierter Parteien bei der Verteidigung demokratischer Normen. Gerade der Umgang mit radikalen Parteien entscheidet darüber, ob demokratische Systeme ihre Grenzen klar markieren oder ob autoritäre Kräfte Schritt für Schritt in die politische Mitte vordringen können.

Ungarn nach Viktor Orbán: Was demokratische Gegenwehr leisten kann

Zum Abschluss richtet sich der Blick nach Ungarn. Eine Niederlage Viktor Orbáns wäre nicht automatisch ein Beweis dafür, dass das politische System zuvor fair gewesen ist. Vielmehr zeigt das Beispiel, dass Opposition auch in einem gekippten politischen Spielfeld gewinnen kann, wenn sie breit, geschlossen und strategisch handlungsfähig auftritt.

Daraus ergeben sich wichtige Lehren für Demokratien in Europa und den USA: Autoritäre Konsolidierung ist nicht unvermeidlich. Aber demokratische Gegenwehr braucht starke Institutionen, breite Koalitionen, politischen Mut und klare demokratische Prinzipien.

In dieser Folge geht es um

In dieser Folge von Talking Europe sprechen Joshua Yaffa und Daniel Ziblatt über die Frage, wann eine Demokratie aufhört, eine volle Demokratie zu sein. Im Mittelpunkt stehen competitive authoritarianism, Donald Trump, MAGA, Gerrymandering, der Supreme Court, institutionelle Verzerrungen in den USA, die Rolle von Medien, Universitäten und Zivilgesellschaft sowie die Verantwortung etablierter Parteien im Umgang mit autoritären Herausforderern.

Außerdem geht es um die AfD, die CDU, die Gefahr politischer Normalisierung, Ungarn nach Viktor Orbán, Korruption als Mobilisierungsthema gegen autoritäre Politik und die Frage, wie Demokratien widerstandsfähig bleiben können.

Joshua Yaffa ist Writer in Residence am Bard College Berlin und contributing writer für The New Yorker.

Daniel Ziblatt ist Eaton Professor of Government an der Harvard University und Direktor des Minda de Gunzburg Center for European Studies. Gemeinsam mit Steven Levitsky veröffentlichte er â€žHow Democracies Die“ und â€žTyranny of the Minority“.

Talking Europe ist eine Kooperation des Europapodcasts mit dem European Democracy Institute am Bard College Berlin. Wir bringen exklusive Debatten aus Deutschland, Europa und den USA in den Podcast. Im Mittelpunkt stehen fundierte Denkanstöße zu den Fragen, die Politik und Gesellschaft aktuell bewegen: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, transatlantische Beziehungen, europäische Öffentlichkeit und das Leben in der Europäischen Union.

Folge dem Europapodcast

Höre uns in deiner Podcast-App, folge uns auf Social Media oder unterstütze unsere unabhängige Arbeit.

No responses yet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Cookie Consent mit Real Cookie Banner