Der Europapodcast startet 2026 eine Medienpartnerschaft mit dem European Democracy Institute (EDI) am Bard College Berlin. Ziel der Zusammenarbeit ist es, zentrale Fragen rund um Demokratie in Europa, Rechtsstaatlichkeit und Europas Rolle in der Welt vertieft im Podcastformat zu diskutieren.

In dieser Folge stellen wir euch unsere neue Kooperation mit dem European Democracy Institute (EDI) am Bard College Berlin vor. Zu Gast sind Prof. Dr. Boris Vormann und Dr. Berit Ebert, die das Institut mit aufgebaut haben und Einblicke in Idee, Anspruch und Formate des EDI geben.

Im Zentrum des Gesprächs stehen drei Fragen:

  • Was ist das European Democracy Institute?
  • Wie denkt das Institut Demokratie, Europa und Öffentlichkeit zusammen?
  • Und was bedeutet die neue Partnerschaft konkret für den Europapodcast und euch als Hörerinnen und Hörer?

Worum es in dieser Folge geht

Das European Democracy Institute versteht sich als Ort, an dem europäische Demokratie neu gedacht werden soll. Dabei geht es nicht nur um Institutionen oder aktuelle Schlagzeilen, sondern um die grundlegenden politischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Bedingungen demokratischen Zusammenlebens.

Berit Ebert betont gleich zu Beginn den Leitgedanken des Instituts:

„Aus unserer Sicht geht es vor allem darum, Demokratie neu zu denken, insbesondere europäische Demokratie. Und hier liegt die Betonung auf dem Nachdenken.“

Dr. Berit Ebert

Boris Vormann beschreibt den Anspruch des EDI als bewussten Gegenentwurf zu einer oft hektischen, empörungsgetriebenen Debattenkultur. Das Institut wolle nicht im schnellen Takt auf jede politische Aufregung reagieren, sondern Raum schaffen, um tiefer über demokratische Errungenschaften, Krisen und Zukunftsfragen nachzudenken.

Warum Berlin und warum gerade jetzt?

Das EDI sitzt in Berlin, einem Ort mit vielen politischen Schnittstellen, internationalem Austausch und unmittelbarer Nähe zu aktuellen Debatten. Gleichzeitig reflektieren die Gäste auch die Grenzen dieses Standorts. Berlin sei wichtig, dürfe aber nicht zur abgeschlossenen Blase werden. Deshalb ist von Anfang an mitgedacht, Formate auch in andere Städte und Kontexte zu tragen.

Im Gespräch wird deutlich, dass die Idee zum EDI nicht aus einem einzelnen Projekt entstand, sondern aus einer längeren gemeinsamen Aufbauphase. Seit 2023 arbeiten Boris Vormann und Berit Ebert daran, ein Institut zu entwickeln, das Forschung, Bildungsarbeit und Öffentlichkeit zusammendenkt.

Demokratie breiter denken

Ein zentrales Motiv der Folge ist die Frage, wie Demokratie heute überhaupt noch verstanden werden kann. Boris Vormann spricht über Legitimitätsprobleme moderner Demokratien, über ökonomische Ungleichheit und über gesellschaftliche Fragmentierung. „Die politischen Systeme, die wir heute demokratisch nennen, sind im Kontext der Industrialisierung entstanden.“

Sein Argument: Viele demokratische Institutionen beruhen auf historischen Voraussetzungen, die sich inzwischen stark verändert haben. Alte politische „Software“ trifft auf neue globale, soziale und ökonomische Realitäten. Daraus entstehen Spannungen, die sich häufig in Identitätskonflikten entladen.

Berit Ebert ergänzt diese Perspektive um ihre Forschung zu RechtsstaatlichkeitGender und Demokratie. Für sie ist Gleichstellung kein Nebenthema, sondern ein zentraler Bestandteil demokratischer Teilhabe.

„Gleichstellung ist für mich kein ideelles Schlagwort, sondern etwas sehr Konkretes, das stabiles und langfristiges gesellschaftliches Zusammenleben ermöglicht.“

Dr. Berit Ebert

Gerade in europäischen Debatten um „Gender Ideology“, Minderheitenschutz und Teilhabe zeige sich, wie eng Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftliche Inklusion miteinander verbunden sind.

Die drei Säulen des EDI

Im Gespräch wird das European Democracy Institute als ein Projekt mit drei zentralen Säulen beschrieben:

1. Forschung: Dazu gehören die Working Groups, in denen internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler regelmäßig zusammenarbeiten.

2. Bildungsarbeit: Hierzu zählt vor allem die Democracy School, die Studierende sowie Schülerinnen und Schüler zusammenbringt und politische Prozesse praktisch erfahrbar macht.

3. Öffentlichkeit: Zu dieser Säule gehören öffentliche Veranstaltungen, Vortragsformate, Preise und die neue Medienpartnerschaft mit dem Europapodcast.

Die Working Groups

Besonders ausführlich sprechen die Gäste über die Forschungsgruppen des EDI. Sie sollen Demokratie nicht nur institutionell, sondern interdisziplinär und international betrachten.

Democratizing Globalization

Die von Boris Vormann geleitete Gruppe fragt, wie demokratisches Regieren unter Bedingungen der Globalisierung überhaupt möglich ist. Im Fokus stehen Fragen wie: Welche Probleme lassen sich noch national lösen und welche brauchen europäische oder globale Antworten?

Europe and Central Asia in the World

Die von Berit Ebert geleitete Gruppe untersucht Beziehungen zwischen Europa und Zentralasien. Dabei geht es nicht nur um Wirtschaft, sondern auch um Rechtsstaatlichkeit, Gleichstellung, Mobilität, Teilhabe und demokratische Normen.

Deutlich wird dabei: Die Arbeitsgruppen sollen kein abgeschlossener Elfenbeinturm bleiben. Forschungsergebnisse sollen in Lehre, Öffentlichkeit und gesellschaftliche Debatten hineinwirken.

Democracy School, Hannah Arendt Lectures und Fritz Stern Award

Das EDI entwickelt neben der Forschung mehrere öffentliche Formate.

Die Hannah Arendt Lectures sollen Denkerinnen und Denker, Forschende und auch künstlerische Stimmen zusammenbringen und für ein breites Publikum öffnen.

Die Democracy School arbeitet mit Studierenden und Schulen. In Simulationen, Rollenspielen und Debattenformaten werden politische Prozesse verständlich und praktisch erfahrbar gemacht. Diskutiert werden dabei zum Beispiel der Europäische Rat oder sicherheitspolitische Szenarien im Rahmen eines Model NATO.

Der Fritz Stern Award würdigt Menschen, die sich um Demokratie verdient gemacht haben. Dabei geht es auch darum, demokratisches Engagement sichtbar zu machen und europäische Demokratie stärker in den öffentlichen Fokus zu rücken.

Was die Partnerschaft mit dem Europapodcast bedeutet

Mit der neuen Medienpartnerschaft wollen das EDI und der Europapodcast demokratische Debatten, Forschung und öffentliche Gespräche stärker ins Audioformat übersetzen.

Künftig sollen Gäste aus dem Umfeld des EDI, aus Working Groups, Vortragsreihen, Lehrformaten und öffentlichen Veranstaltungen auch im Europapodcast und unter dem Label Thinking Europe zu hören sein. Viele dieser Gespräche werden international ausgerichtet sein, weshalb es künftig auch englischsprachige Folgen geben wird.

Boris Vormann formuliert den gemeinsamen Anspruch so:

„Uns ist wichtig, dass diese Gedanken nicht im stillen Kämmerchen bleiben, sondern öffentlich hörbar werden.“

Prof. Dr. Boris Vormann

Was bleibt von dieser Folge?

Die Folge ist mehr als eine bloße Ankündigung einer Kooperation. Sie ist zugleich ein programmatischer Auftakt. Das European Democracy Institute will Forschung, Lehre und Öffentlichkeit enger miteinander verbinden. Der Europapodcast wird diese Prozesse künftig journalistisch und diskursiv begleiten.

Zum Schluss formuliert Boris Vormann noch eine Botschaft, die den Ton der Folge gut zusammenfasst:

„Ich glaube, es ist wichtig, dass wir gesellschaftlich aus dieser Stimmung der Angst herauskommen.“

Prof. Dr. Boris Vormann

Und Berit Ebert ergänzt mit Blick auf Europa und die jüngere Generation:

„Es gibt so viele positive Beispiele dafür, wie europäische Demokratie oder auch die Europäische Union funktioniert. Gerade bei der jüngeren Generation sieht man, dass dort sehr viel zu sagen ist. Zeigt das.“

Dr. Berit Ebert

Wer sich für europäische Politik, Demokratiefragen und die Zukunft Europas interessiert, findet hier künftig noch mehr analytische Tiefe und internationale Stimmen. Jetzt reinhören in unsere Sendung Talking Europe.

No responses yet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Cookie Consent mit Real Cookie Banner