In der dritten Folge des Sicherheitssonntags (SISO) richtet sich der Blick über den Atlantik auf das transatlantische Sicherheitsverhältnis und die Zukunft der NATO. Kaum ein sicherheitspolitisches Thema prägt derzeit die strategischen Debatten in Europa stärker als die Frage nach der Verlässlichkeit der Vereinigten Staaten als Partner und Schutzmacht. Gemeinsam mit Dr. Marco Overhaus, stellvertretender Leiter der Forschungsgruppe Amerika bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin, analysiert Co-Host Florian Schäfer die aktuellen Entwicklungen der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik und deren Konsequenzen für Europa.
Zu Beginn der Folge gibt Dr. Overhaus Einblicke in seine Forschung zur US-amerikanischen Verteidigungs- und Sicherheitspolitik. Die Perspektive eines transatlantischen Beobachters eröffnet dabei einen differenzierten Blick auf die Dynamiken zwischen Europa und den USA. Im Zentrum des Gesprächs steht anschließend die zweite Trump-Administration und ihre Auswirkungen auf die transatlantischen Beziehungen. Bereits während der ersten Amtszeit Donald Trumps kam es zu Spannungen, beispielsweise bei den Verteidigungsausgaben oder der grundsätzlichen Rolle der NATO. Doch die aktuelle politische Lage wirft die Frage auf, ob die Beziehungen inzwischen eine neue Qualität der Unsicherheit erreicht haben. Ein historischer Vergleich mit transatlantischen Konflikten, beispielsweise während des Irakkriegs 2003, hilft dabei, die gegenwärtige Situation einzuordnen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Folge liegt auf der strategischen Ausrichtung der Vereinigten Staaten. Ausgehend von Dr. Overhaus‘ Analyse möglicher außenpolitischer Leitbilder – Isolationismus, Opportunismus und selektives Hegemoniestreben – wird diskutiert, welche strategische Logik die amerikanische Politik derzeit prägt. Unmittelbar daraus ergibt sich die Frage nach Europas Rolle als sicherheitspolitischer Akteur. Was bedeutet eine schwankende amerikanische Strategie für die europäischen Partner? Insbesondere wird die Idee einer stärkeren „Europäisierung“ der NATO diskutiert, also eine größere sicherheitspolitische Verantwortung Europas innerhalb des Bündnisses. Welche militärischen Fähigkeiten, politischen Entscheidungsstrukturen und strategischen Prioritäten dafür notwendig wären und wo Europa heute steht, ist dabei ein zentraler Teil der Analyse.
Abschließend richtet die Folge den Blick erneut nach Washington: Welche Erwartungen stellen die USA aktuell an ihre europäischen Verbündeten, kurzfristig ebenso wie langfristig? Und wie stabil ist das transatlantische Sicherheitsbündnis in einer Zeit wachsender geopolitischer Konkurrenz? Die dritte Folge des „Sicherheitssonntags” bietet somit eine Einordnung der gegenwärtigen sicherheitspolitischen Lage und beleuchtet die Frage, wie sich die Rolle Europas innerhalb der transatlantischen Partnerschaft künftig verändern könnte. In einer Welt, die zumindest auf den ersten Blick aus den Fugen geraten scheint.
Über Dr. Marco Overhaus
Dr. Marco Overhaus ist Senior Researcher in der Forschungsgruppe „Amerika“ der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf den transatlantischen Beziehungen, der US-amerikanischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie der Rolle der USA in Europa, im Indo-Pazifik und im Nahen Osten.
Zuvor war er unter anderem im Planungsstab des Auswärtiges Amt tätig und arbeitete als Transatlantic Fellow bei der RAND Corporation in Washington, D.C., sowie am Institut français des relations internationales (IFRI) in Paris.
Dr. Overhaus studierte Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen in Potsdam und an der University of California, San Diego und promovierte an der Universität Trier mit einer Arbeit zur deutschen Sicherheitspolitik in der NATO nach der Wiedervereinigung. Seine Analysen beschäftigen sich insbesondere mit der strategischen Rolle der USA für die europäische Sicherheitsordnung und den Herausforderungen für die transatlantische Kooperation in einer sich wandelnden internationalen Ordnung.
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