Wie würde Europa wählen, wenn am kommenden Sonntag Europawahl wäre? In der ersten Folge unserer neuen Sendung „Monitoring Europe – Wahlen und Zahlen“ schauen wir gemeinsam mit Dr. Manuel Müller auf die politische Stimmung in Europa. Grundlage ist seine aktuelle Europawahl-Sitzprojektion, die nationale Umfragen aus den Mitgliedstaaten bündelt und daraus mögliche Kräfteverhältnisse im Europäischen Parlament ableitet.
Der Ausgangspunkt dieser Pilotfolge ist eine große politische Frage: Ist die Rechtsaußenwelle in Europa gebrochen? Viktor Orbán ist in Ungarn abgewählt, mehrere Rechtsaußenparteien geraten leicht unter Druck, und die jüngsten Projektionen zeigen einen kleinen Rückgang bei EKR, Patrioten für Europa und ESN. Zugleich bleibt das Lager historisch stark. Genau hier setzt das Gespräch an: Welche Trends lassen sich wirklich erkennen, und wo wäre es voreilig, aus einzelnen nationalen Ereignissen eine gesamteuropäische Wende abzuleiten?
Manuel Müller erklärt, wie seine Projektion entsteht, warum nationale Umfragen nur begrenzt mit Europawahlen vergleichbar sind und weshalb die Zuordnung neuer Parteien zu europäischen Fraktionen oft der schwierigste Teil der Arbeit ist. Dabei geht es auch um die Unterschiede zwischen Basis-Szenario und dynamischem Szenario, um die Rolle von Europe Elects und Wikipedia als Datengrundlagen sowie um die Frage, warum es bislang keine regelmäßigen, europaweit einheitlichen Europawahlumfragen gibt.
Die April-Projektion vom 20. April 2026 weist im Basisszenario unter anderem 173 Sitze für die EVP, 124 für S&D, 70 für Renew Europe, 39 für Grüne/EFA und zusammen 217 Sitze für EKR, PfE und ESN aus. Die ausführliche Projektion und Analyse von Manuel findet ihr hier: April-Projektion 2026.
Im zweiten Teil der Folge richten wir den Blick auf die politischen Folgen: Was bedeutet die Schwäche der klassischen Mitte? Wie stabil ist die informelle Mehrheit aus EVP, Sozialdemokraten und Liberalen? Und wie realistisch ist eine weiter nach rechts verschobene Mehrheitsbildung im Europäischen Parlament?
Über unseren Experten
Dr. Manuel Müller ist Politikwissenschaftler und Publizist mit Sitz in Helsinki. Er ist Herausgeber des Blogs „Der (europäische) Föderalist“ und arbeitet zu europäischer Demokratie, EU-Institutionen, Parteien und Öffentlichkeit. Er studierte Geschichte und Hispanistik in Bamberg, Granada und Berlin, promovierte zur europäischen Öffentlichkeit in der Debatte über den Vertrag von Maastricht und war unter anderem am Institut für Europäische Politik, an der Universität Helsinki, an der Universität Duisburg-Essen und am Finnish Institute of International Affairs tätig. Seit 2025 ist er Visiting Professor am College of Europe in Brügge.

Hier gehts zum Blog: Der (europäische) Föderalist.
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